Bürgerdialog Bioökonomie
second logo second logo logo bfn

Worüber möchten wir mit Ihnen reden?

Chancen und Risiken

Das Konzept der Bioökonomie birgt vor dem Hintergrund des Naturschutzes und dem Erhalt der biologischen Vielfalt eine Reihe von Chancen. Doch auch hier wachsen die Bäume nicht in den Himmel: Die planetaren Belastungsgrenzen geben uns einen strengen Rahmen für die zukünftige Gestaltung der Bioökonomie vor.

Chancen

Wissen und Innovation sind zentrale Bestandteile der Bioökonomie. Die Entwicklung umweltfreundlicher und ressourcensparender Produktions- und Verarbeitungsmethoden kann auf vielfältige Weise zu einer umweltverträglichen und nachhaltigen Bioökonomie in neuen regionalen Wertschöpfungsketten aufgebaut werden. Auch die Anwendung innovativer land- und forstwirtschaftlicher Bewirtschaftungsmethoden bietet Chancen für einen verbesserten Umwelt- und Klimaschutz.

Die Digitalisierung und insbesondere Anwendungen des Precision Farmings können gezielt Dünge- und Pflanzenschutzmittel standortspezifisch auftragen und somit helfen, diese langfristig einzusparen. Neue Bewirtschaftungsformen in der Landwirtschaft wie Agroforstsysteme (eine Kombination aus Gehölzen mit Ackerbau und/oder Tierhaltung) sorgen für eine Verbesserung der lokalen Biodiversität, des Nährstoffhaushaltes sowie der Boden- und Grundwasserqualität. Durch Kaskaden- und Kreislaufwirtschaft werden Rohstoffpotentiale stofflich und energetisch möglichst effizient ausgenutzt. Auch lassen sich verschiedene Bioökonomie-Konzepte an charakteristische Standortgegebenheiten anpassen. Durch die Nutzung lokalspezifischer Rohstoffe werden neue Wertschöpfungspotentiale erschlossen. Somit werden anspruchsvolle Arbeitsplätze geschaffen und die Attraktivität ländlicher Regionen gesteigert.

Risiken

Die Grundidee der Bioökonomie basiert auf dem Austausch der fossilen durch eine nachwachsende, biobasierte Rohstoffbasis. Begriffe wie erneuerbar oder nachwachsend suggerieren eine grenzenlose Verfügbarkeit der Rohstoffe. Allerdings werden schon heute die ökologischen Belastungsgrenzen der Biomasseproduktion überschritten. Deutschland importiert einen Großteil seiner Flächen aus dem Ausland, um den Biomassebedarf decken zu können. Die Ausweitung der Bioökonomie wird mit einem zunehmend wachsenden Bedarf an biobasierten Rohstoffen einhergehen. Damit zukünftig neben gesunden Lebens- und Futtermitteln auch ausreichend Bioenergie und Biomasse für die Industrie bereitsteht, erhöht sich der Druck auf verfügbare (Natur-)Flächen.

Der Ausbau der industriellen Biomasseproduktion führt somit zu einem verstärkten Nutzungsdruck auf Naturlandschaften und einem weiteren Verlust an Arten- und Lebensraumvielfalt. Der hohe Verbrauch an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln schädigt Wasser und Böden. Eine 1:1-Substitution erdölbasierter Rohstoffe kann und darf nicht das Ziel der Bioökonomie sein. Dieser Konflikt lässt sich langfristig nicht allein durch die Anwendung intelligenter Technologien vermeiden, sondern erfordert gleichzeitig ein bewussteres (suffizientes) Konsumverhalten – Weniger, Besser, Regionaler.

Rahmenbedingungen

Planetare Grenzen

Internationale Wissenschaftler veröffentlichten 2009 erstmals das Konzept der Planetaren Grenzen (engl. Planetary Boundaries), welches Aussagen über die Erdgesundheit und die Lebensgrundlagen der Menschheit trifft. Neun globale Prozesse sind es, die die Widerstandskraft und die Belastungsgrenzen des Planeten bestimmen.

Das Konzept verdeutlicht, dass der Mensch massiv in die natürlichen Prozesse eingreift: Vier der neun Planetaren Grenzen wurden bereits stark ausgereizt bzw. gänzlich überschritten. Dies führt dazu, dass die Stabilität der Ökosysteme irreversibel geschädigt und somit die Lebensgrundlage der Menschen gefährdet wird. Anhand des konzipierten Schaubildes wird deutlich, dass in den Bereichen genetische Vielfalt und des Phosphor- und Stickstoffkreislaufes die Belastungsgrenzen bereits stark überschritten wurden. Dies hängt in erster Linie mit der industriellen Landwirtschaft zusammen.