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Was ist Biomasse und wie wird sie genutzt?


Biomasse bezeichnet alle organischen Materialien biologischer Herkunft, die als Energiequelle oder Rohstoff genutzt werden können. Dazu gehören Holz, landwirtschaftliche Reststoffe, Energiepflanzen, tierische Exkremente und Bioabfälle aus Haushalten und Industrie.

Kurz zusammengefasst

  • Biomasse umfasst alle organischen Materialien pflanzlicher, tierischer oder mikrobieller Herkunft.
  • Man unterscheidet feste (z. B. Holz), flüssige (z. B. Pflanzenöl) und gasförmige Biomasse (z. B. Biomethan).
  • Biomasse lieferte 2025 rund 48 Prozent der erneuerbaren Energie in Deutschland.
  • Neben der energetischen gibt es die stoffliche Nutzung, zum Beispiel als Baustoff oder chemischer Rohstoff.
  • Die Nutzung von Biomasse steht im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz, Flächenkonkurrenz und Biodiversität.

Was versteht man unter Biomasse?

Der Begriff Biomasse leitet sich aus den griechischen Wörtern bios (Leben) und dem lateinischen massa (Masse, Stoff) ab. In der Energiewirtschaft und der Bioökonomie bezeichnet er alle organischen Substanzen, die durch Photosynthese oder biologische Prozesse entstehen und als Rohstoff oder Energieträger eingesetzt werden können.

Rechtlich definiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Biomasse als Stoffe pflanzlichen, tierischen oder mikrobiellen Ursprungs, einschließlich der aus diesen Stoffen gewonnenen Folgeprodukte, Nebenprodukte und Rückstände. Die Biomasseverordnung (BiomasseV) konkretisiert, welche Stoffe im Einzelnen anerkannt werden.

Grundlegend unterscheidet man zwischen zwei Herkunftskategorien:

Kategorie Entstehung Beispiele
Primärbiomasse Direkt durch Photosynthese Getreide, Gras, Holz, Miscanthus
Sekundärbiomasse Durch Verarbeitung oder Nutzung von Primärbiomasse Gülle, Klärschlamm, Speisereste, Altholz

Beide Kategorien spielen in der deutschen Energieversorgung eine bedeutende Rolle.

Welche Arten von Biomasse gibt es?

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) unterscheidet in ihren Basisdaten Bioenergie drei physikalische Aggregatzustände, die für die spätere Nutzung entscheidend sind:

Feste Biomasse umfasst Holz in allen Formen, also Scheitholz, Hackschnitzel, Holzpellets und Holzbriketts, außerdem Stroh, Heu, Miscanthus-Pellets und andere pflanzliche Reststoffe. Sie wird vor allem zur Wärmeerzeugung und in Heizkraftwerken zur kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt. Holz ist dabei der mengenmäßig bedeutendste Biomasseträger in Deutschland.

Flüssige Biomasse schließt biogene Kraftstoffe ein, darunter Biodiesel aus Raps- oder Palmöl, Bioethanol aus Getreide und Zuckerrüben sowie hydrierte Pflanzenöle (HVO). Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wies für 2024 einen Gesamteinsatz von rund 3,6 Millionen Tonnen Biokraftstoffen aus. Davon entfielen 55 Prozent auf Biodiesel und 26 Prozent auf Bioethanol.

Gasförmige Biomasse ist vor allem Biogas, das durch anaerobe Vergärung organischer Stoffe in Biogasanlagen entsteht. Aufbereitetes Biogas, das die Qualität von Erdgas erreicht, wird als Biomethan bezeichnet. Ende 2025 existierten laut Bundestag (WD 8-055-26) bundesweit 256 Biomethananlagen, die insgesamt 12,3 TWh Biomethan einspeisten. Hinzu kommt Deponiegas aus der Zersetzung von Abfalldeponien sowie Klärgas aus kommunalen Kläranlagen.

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Wie wird Biomasse energetisch genutzt?

Die energetische Nutzung von Biomasse umfasst drei Bereiche:

  • Wärme – aus Holzheizungen, Pelletkesseln und Biogas-Nahwärmenetzen
  • Strom – aus Biogasanlagen, Biomasseheizkraftwerken und Holzgasanlagen
  • Kraftstoffe – als Biodiesel, Bioethanol oder HVO im Verkehrssektor

Deutschland nutzt alle drei Bereiche, wobei der Wärmesektor mengenmäßig dominiert.

Wärme aus Biomasse stammt überwiegend aus Holzheizungen in Privathaushalten sowie aus Nah- und Fernwärmenetzen, die mit Biomasseheizwerken oder Biogasanlagen gespeist werden. Nach Angaben des BDEW entfielen 2023 rund 83 Prozent der erneuerbaren Wärmebereitstellung auf Biomasse. Diese Dominanz erklärt sich durch die weite Verbreitung von Kaminöfen, Pelletheizungen und Scheitholzkesseln in Wohngebäuden.

Strom aus Biomasse wird in Biogasanlagen, Biomasseheizkraftwerken und Holzgasanlagen erzeugt. Biogasanlagen nutzten 2024 als Substrate zu etwa 48 Prozent Wirtschaftsdünger wie Gülle und Mist sowie in steigendem Maße industrielle und kommunale Reststoffe. Gleichzeitig gehen mehr Anlagen in den sogenannten Bedarfsbetrieb, erzeugen also vorrangig dann Strom, wenn ihn das Netz benötigt, und nicht rund um die Uhr.

Biokraftstoffe im Verkehr werden in Deutschland überwiegend dem fossilen Kraftstoff beigemischt. Die gesetzliche Grundlage bildet die Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote), die Kraftstoffhändler verpflichtet, den Treibhausgas-Fußabdruck ihrer abgesetzten Kraftstoffe jährlich zu senken. HVO, also hydriertes Pflanzenöl aus Reststoffen, gewinnt dabei an Bedeutung, da es ohne Motoranpassung eingesetzt werden kann.

Welche Rolle spielt Biomasse für erneuerbare Energien in Deutschland?

Obwohl Wind- und Solarenergie in der öffentlichen Wahrnehmung oft dominieren, ist Biomasse gemessen am Gesamtbeitrag zu den erneuerbaren Energien der bedeutendste Sektor. Im Jahr 2025 stammten laut Auswertungen des Umweltbundesamtes und parlamentarischer Anfragen (Bundestag Drucksache 21/8014 und 21/8567, Oktober 2026) rund 48 Prozent der gesamten erneuerbaren Energiebereitstellung in Deutschland aus Biomasse.

Dieser hohe Anteil liegt daran, dass Biomasse als einzige erneuerbare Energie sowohl Strom als auch Wärme und Kraftstoffe liefert und dabei weitgehend unabhängig von Wetter und Tageszeit eingesetzt werden kann. Biogas- und Biomasseanlagen können innerhalb kurzer Zeit hoch- oder heruntergefahren werden und damit Schwankungen im Stromnetz ausgleichen.

Im Wärmesektor, der in Deutschland mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauchs ausmacht, ist Biomasse der bei weitem wichtigste erneuerbare Energieträger. Wind und Sonne spielen dort direkt kaum eine Rolle, Geothermie und Solarthermie bleiben anteilsmäßig gering. Holz und Holzpellets decken in Millionen von Haushalten einen erheblichen Teil des Heizbedarfs.

Zum Verständnis des Bioenergiebeitrags im Kontext der gesamten Bioökonomie ist wichtig: Erneuerbare Energien aus Biomasse sind nur ein Teil eines größeren Konzepts, das auch die stoffliche Nutzung, die Kaskadennutzung und die Kreislaufwirtschaft umfasst.

Was ist die stoffliche Nutzung von Biomasse?

Neben der Energiegewinnung wird Biomasse auch als Rohstoff für Materialien, Chemikalien und Produkte genutzt. Diese stoffliche Nutzung soll fossile Rohstoffe wie Erdöl ersetzen und ist ein zentrales Ziel der Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung.

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Beispiele für die stoffliche Nutzung sind:

  • Holz als Baustoff in Form von Brettsperrholz, Leimholz und Holzwerkstoffen für den Gebäudebau
  • Cellulose und Lignin aus Holz als Ausgangsstoff für Papier, Karton und biobasierte Kunststoffe
  • Stärke und Zucker aus Getreide und Zuckerrüben für Fermentationsprodukte wie Milchsäure oder Biokunststoffe
  • Pflanzenöle als Basis für Schmierstoffe, Lacke und Tenside in Reinigungsmitteln
  • Pflanzenfasern wie Hanf oder Flachs als Verstärkungsmaterial für Verbundwerkstoffe

Das Prinzip der Kaskadennutzung besagt, dass Biomasse möglichst zuerst stofflich genutzt, dann weiter zu Produkten niedrigerer Wertigkeit verarbeitet und erst am Ende der Verwertungskette energetisch eingesetzt werden sollte. Am Beispiel Holz sieht das so aus:

  1. Bauholz – Der Holzstamm wird zu Balken, Brettern oder Brettsperrholz für den Hausbau verarbeitet.
  2. Holzwerkstoff – Sägereste und Altholz aus dem Rückbau werden zu Spanplatten oder MDF weiterverarbeitet.
  3. Holzpellets – Sägespäne und Bruchmaterial aus der Plattenherstellung werden zu Pellets gepresst.
  4. Energie – Die Pellets verbrennen in einer Heizungsanlage und liefern Wärme.
  5. Rückführung – Die Asche aus der Verbrennung kann als mineralischer Dünger auf Ackerflächen zurückgeführt werden.

Wer sich über die Kaloriengehalte von Holzbrennstoffen informieren möchte, findet in unserem Artikel zum Heizwert von Holz detaillierte Vergleichswerte für verschiedene Holzarten und Feuchtegrade.

Welche Zielkonflikte entstehen bei der Biomassenutzung?

Die Nutzung von Biomasse ist nicht frei von Zielkonflikten. Drei Spannungsfelder werden in Fachkreisen besonders intensiv diskutiert.

Flächenkonkurrenz: Energiepflanzen wie Mais, Raps oder Miscanthus beanspruchen Ackerfläche, die alternativ für die Nahrungsmittelproduktion oder als naturnaher Lebensraum genutzt werden könnte. In Deutschland wird dieser Konflikt durch die Regelungen des EEG und der Biokraftstoffnachhaltigkeitsverordnung (Biokraft-NachV) begrenzt, die den Einsatz von Lebensmittelkulturen für Strom und Kraftstoff einschränken und Reststoffe bevorzugen.

Wichtiger Hinweis: Treibhausgasbilanz

Ob Biomasse tatsächlich zur CO₂-Einsparung beiträgt, hängt stark von Herkunft, Anbau und Transportweg ab. Reststoffe aus der Landwirtschaft oder Altholz weisen in der Regel günstige Bilanzen auf. Palmöl aus Tropenregionen, bei dessen Anbau Wälder gerodet wurden, kann dagegen schlechter abschneiden als fossile Alternativen. Die EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) legt daher Mindestschwellen für die Treibhausgaseinsparung fest, die Biomasse nachweislich erfüllen muss.

Biodiversität: Großflächiger Energiepflanzenanbau in Monokulturen belastet Böden, Grundwasser und Artenvielfalt. Studien zeigen, dass strukturreiche Anbausysteme mit Blühstreifen und mehrjährigen Kulturen die negativen Effekte deutlich verringern können. Die Bundesregierung fördert solche Ansätze im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Biomasse umfasst alle organischen Materialien pflanzlicher, tierischer und mikrobieller Herkunft und ist die vielseitigste erneuerbare Energiequelle.
  • Die drei Formen feste, flüssige und gasförmige Biomasse werden zur Wärme- und Stromerzeugung sowie als Kraftstoff eingesetzt.
  • Biomasse liefert rund 48 Prozent der erneuerbaren Energiebereitstellung in Deutschland und 83 Prozent der erneuerbaren Wärme.
  • Neben der Energie gewinnt die stoffliche Nutzung an Bedeutung, bei der Biomasse fossile Rohstoffe in der Industrie ersetzt.
  • Zielkonflikte zwischen Flächennutzung, Treibhausgasbilanz und Biodiversität erfordern klare Nachhaltigkeitsstandards.
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Häufige Fragen zu Biomasse

Ist Biomasse wirklich CO₂-neutral?

Das ist differenziert zu betrachten. Bei der Verbrennung von Biomasse wird CO₂ freigesetzt, das die Pflanze zuvor beim Wachstum aus der Atmosphäre gebunden hat. In der Theorie ist dies ein geschlossener Kreislauf. In der Praxis hängt die Klimabilanz aber vom Anbau, der Logistik und dem ersetzten Energieträger ab. Die EU-Nachhaltigkeitskriterien legen deshalb Mindestschwellen für die Treibhausgaseinsparung gegenüber fossilen Vergleichsstoffen fest.

Was ist der Unterschied zwischen Biogas und Biomethan?

Biogas entsteht direkt in der Biogasanlage durch Vergärung und besteht zu 50 bis 70 Prozent aus Methan, außerdem aus CO₂, Wasserdampf und Spurengasen. Biomethan ist aufbereitetes Biogas, bei dem CO₂ und Begleitstoffe entfernt wurden, sodass es Erdgasqualität erreicht. Biomethan kann dann ins Erdgasnetz eingespeist, als Kraftstoff (Bio-CNG, Bio-LNG) oder als Rohstoff in der Industrie eingesetzt werden.

Welche Pflanzen eignen sich besonders gut als Energiepflanzen?

Kriterien sind hoher Biomasseertrag pro Hektar, geringe Ansprüche an Boden und Wasser sowie günstige Treibhausgasbilanz. Miscanthus (Chinaschilf), Kurzumtriebsplantagen mit Pappeln oder Weiden und Energiegräser liefern hohe Erträge mit wenig Dünger. Mais bleibt wegen seiner Effizienz in Biogasanlagen verbreitet, wird aber durch neue Substratmix-Vorgaben zunehmend durch Reststoffe ersetzt.

Was bedeutet Kaskadennutzung bei Biomasse?

Bei der Kaskadennutzung wird Biomasse möglichst lange und auf möglichst hohem Wertniveau genutzt, bevor sie energetisch verwertet wird. Ein Holzstamm wird zuerst zum Bau eines Hauses eingesetzt, die Sägereste werden zu Spanplatten, die Späne zu Holzpellets und die Asche zur Düngung zurück auf den Acker. So wird der in der Biomasse gebundene Kohlenstoff möglichst lange dem Kreislauf erhalten.

Wie viel Fläche nutzt Deutschland für Energiepflanzen?

Laut FNR wurden 2024 in Deutschland rund 2,2 Millionen Hektar Ackerfläche für nachwachsende Rohstoffe genutzt, davon der Großteil für Energiepflanzen. Das entspricht etwa 13 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Im Vergleich dazu stehen rund 11,8 Millionen Hektar für Nahrungsmittel zur Verfügung. Die Fläche für Energiepflanzen ist seit dem Biogasboom um 2012 leicht rückläufig.

Quellen

  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR): Basisdaten Bioenergie Deutschland 2024. fnr.de
  • Umweltbundesamt (UBA) / Bundestag Drucksache 21/8014 und 21/8567, Oktober 2026: Erneuerbare Energien in Deutschland.
  • Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): Erneuerbare Energien in der Wärmeversorgung 2023. bdew.de
  • Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (WD 8-055-26): Biomethan in Deutschland. Zahlen und Fakten 2025.
  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / topagrar: Biokraftstoffeinsatz in Deutschland 2024. ble.de
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung 2020. bmel.de
  • Biomasseverordnung (BiomasseV) i. d. F. vom 21. Juni 2001 (BGBl. I S. 1234), zuletzt geändert 2021.

Dieser Beitrag wurde mit redaktionellem Wissen und KI zur Unterstützung für fundierte Informationen rund um die Bioökonomie erstellt.

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