Du betrachtest gerade Was bedeuten die Kunststoff-Codes PET 1, PP 5, LDPE 4 und Co.?

Was bedeuten die Kunststoff-Codes PET 1, PP 5, LDPE 4 und Co.?

Wer eine Plastikflasche in der Hand hält und auf den Boden schaut, findet dort häufig eine Zahl in einem dreieckigen Symbol: PET, PP oder LDPE steht darunter, manchmal begleitet von einer Ziffer davor. Diese Ziffern gehören zum sogenannten Harzkennzeichnungssystem, und obwohl sie auf fast jeder Kunststoffverpackung stehen, wissen die meisten Menschen nicht, was sie bedeuten. Vor allem wissen sie nicht, was diese Codes gerade nicht bedeuten: eine Aussage darüber, ob das Material tatsächlich verwertet wird.

Woher stammt das Harzkennzeichnungssystem?

Das Harzkennzeichnungssystem geht auf das Jahr 1988 zurück. Die Society of the Plastics Industry (SPI) in den USA führte damals ein einheitliches Zahlensystem ein, das Herstellern und Sortieranlagen helfen sollte, verschiedene Kunststofftypen auf Verpackungen zu identifizieren. Das System wurde 2008 von ASTM International übernommen, einer unabhängigen amerikanischen Normungsorganisation, die den Standard unter der Bezeichnung ASTM D7611 verwaltet.

Die sieben Codes umfassen sechs klar definierte Kunststofftypen und eine Auffangkategorie für alles, was sich keiner der ersten sechs Gruppen zuordnen lässt. Das Symbol ist meistens ein Dreieck aus Pfeilen mit einer Zahl darin, manchmal auch nur eine Zahl mit dem Buchstabenkürzel des Kunststoffs darunter.

In Deutschland sind die Codes auf Verpackungen verbreitet, aber nicht flächendeckend vorgeschrieben. Das Verpackungsgesetz (VerpackG) von 2019 regelt vor allem die Systembeteiligung von Herstellern, schreibt aber keine vollständige Kunststoffkennzeichnung für jede Verpackungsart vor. Eine EU-weit harmonisierte Pflicht zur Materialkennzeichnung ist nach der Verpackungs- und Verpackungsabfall-Verordnung der EU frühestens ab 2028 vorgesehen.

Die sieben Codes im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt alle sieben Codes mit ihren Abkürzungen, den vollständigen Materialnamen und typischen Einsatzbereichen. Die Angaben zur Verwertbarkeit beziehen sich auf die technischen Voraussetzungen; welche Materialien in einem konkreten Haushalt über welche Tonne entsorgt werden, hängt von der örtlichen Infrastruktur ab.

Code Kürzel Materialname Typische Verwendung
1 PET Polyethylenterephthalat Getränkeflaschen, Lebensmittelschalen, Fasern
2 HDPE Polyethylen hoher Dichte Shampooflaschen, Milchkannen, Rohre
3 PVC Polyvinylchlorid Folien, Blisterpackungen, Rohre, Bodenbeläge
4 LDPE Polyethylen niedriger Dichte Tragetaschen, Frischhaltefolien, Quetschtuben
5 PP Polypropylen Joghurtbecher, Flaschenverschlüsse, Mikrowellengeschirr
6 PS Polystyrol Schaumstoffverpackungen (EPS), Einwegbesteck, CD-Hüllen
7 O / OTHER Alle übrigen Kunststoffe Polycarbonat, Nylon, Biopolymere wie PLA, Verbundmaterialien
Eigene Zusammenstellung auf Basis des ASTM-Standards D7611 und Angaben der Verbraucherzentrale NRW.

PET und HDPE: die beiden häufigsten Verpackungskunststoffe

PET (Polyethylenterephthalat) ist einer der am weitesten verbreiteten Kunststoffe im Verpackungsbereich. Die meisten Einweg-Getränkeflaschen in Deutschland bestehen aus PET. Das Material ist im Vergleich zu vielen anderen Kunststoffen gut sortierbar, weil es relativ schwer ist und sich im Sortierprozess gut von leichteren Kunststoffen trennen lässt. In Deutschland unterliegen PET-Einwegflaschen dem Pfandsystem, was einen eigenen Erfassungskanal mit hohen Rücklaufquoten schafft.

HDPE (Polyethylen hoher Dichte) ist dichter und steifer als LDPE. Shampooflaschen, Milchkannen und viele Haushaltsreiniger-Behälter bestehen aus HDPE. Das Material lässt sich gut sortieren und zu Granulat verarbeiten, das für neue Behälter, Rohre oder andere Produkte eingesetzt werden kann.

PVC (Code 3): besondere Anforderungen bei der Sortierung

PVC (Polyvinylchlorid) ist ein weit verbreiteter Kunststoff, der allerdings bei der thermischen Verwertung problematisch ist: Bei hohen Temperaturen kann Chlorwasserstoff entstehen, der Anlagen schädigt und weitere Verfahrensschritte erfordert. Deshalb wird PVC in Sortieranlagen gezielt erkannt und von anderen Kunststoffen getrennt. Moderne Infrarot-Sortieranlagen können PVC im Materialstrom mit hoher Erkennungsrate identifizieren und von anderen Kunststoffen trennen, ohne dass der Code auf der Verpackung dafür gelesen werden muss.

PVC kommt in Blisterpackungen, Folien, Bodenbelägen, Rohren und vielen Bauprodukten vor. Im Verpackungsbereich ist sein Anteil in der EU in den letzten Jahren zurückgegangen, weil Hersteller auf andere Materialien ausgewichen sind. PVC ist in einer Reihe von EU-Produktkategorien weiterhin zugelassen, für bestimmte Lebensmittelkontaktmaterialien aber eingeschränkt.

LDPE und PP: Folien, Beutel und Verschlüsse

LDPE (Polyethylen niedriger Dichte) ist weicher und flexibler als HDPE. Tragetaschen, Frischhaltefolien, Gefrierbeutel und Quetschtuben bestehen häufig aus LDPE. Das Material ist leicht, was die Sortierung nach Gewicht erschwert. In Deutschland können LDPE-Folien über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne entsorgt werden; ob das Material in der Praxis sortenrein erfasst und verwertet wird, hängt von der Anlage und der Reinheit des Materiallstroms ab.

PP (Polypropylen) ist ein sehr vielseitiger Kunststoff mit hoher Wärmebeständigkeit, weshalb er häufig für Joghurtbecher, Butterverpackungen, Flaschenverschlüsse und Mikrowellengeschirr verwendet wird. PP lässt sich gut sortieren und verarbeiten. In Deutschland wurde PP lange Zeit schlechter erfasst als PET oder HDPE, weil es in vielen kleinteiligen Verpackungen vorkommt. Fortschritte in der Infrarot-Sortierung haben die Ausbeute verbessert. PP ist außerdem beständig gegenüber Fetten und Laugen, was es für Behälter von Reinigungsmitteln und Kosmetika geeignet macht, und ermöglicht bei dünnen Wandstärken eine gewisse Transluzenz.

Kurz zusammengefasst: Ein Kunststoff-Code auf einer Verpackung gibt an, aus welchem Polymer die Verpackung besteht. Er sagt nichts darüber aus, ob die Verpackung in einer konkreten Region gesammelt, sortiert und verwertet wird. Für die Entsorgungsentscheidung zuhause gilt: Gelber Sack oder Gelbe Tonne für Verpackungen aus Kunststoff, unabhängig vom Code.

Polystyrol und die Sammelkategorie: Schaumstoff und der Rest

PS (Polystyrol) umfasst zwei sehr unterschiedliche Erscheinungsformen. Kompaktes PS findet sich in CD-Hüllen, Einwegbechern und Joghurtdeckeln. Expandiertes Polystyrol (EPS), bekannt unter dem Markennamen Styropor, wird als Schaumstoff in der Bauisolierung und für Transportverpackungen verwendet. Beide Formen tragen den Code 6, haben aber sehr unterschiedliche Eigenschaften. Schaumstoff-PS ist durch sein geringes Gewicht bei großem Volumen schwer maschinell zu sortieren und wird in vielen deutschen Kreislaufsystemen nicht gesondert erfasst.

Mehr Tipp zum Lesen:  Was bedeuten die Recyclingsymbole auf Verpackungen?

Die Sammelkategorie umfasst alle Kunststoffe, die sich den ersten sechs Typen nicht zuordnen lassen: Polycarbonat (PC), Polyamid (Nylon), Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) und Verbundmaterialien. Auch Biopolymere wie PLA (Polymilchsäure) fallen darunter, obwohl sie aus pflanzlichen Rohstoffen stammen. Nach EN 13432 lassen sie sich in Industriekompostieranlagen bei rund 58 Grad Celsius abbauen, aber nicht in der Haushaltstonne. Für Verbraucher ist dieser siebte Code am wenigsten aussagekräftig: Ob ein Becher aus hochfestem Polycarbonat oder aus PLA besteht, das nach EN 13432 nur unter Industriebedingungen kompostierbar ist, lässt sich von außen nicht erkennen.

PLA und andere Biopolymere sind ein Thema, das eng mit der Bioökonomie zusammenhängt: Sie werden aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt, erfordern aber für ihre Kompostierung oft industrielle Bedingungen (rund 58 Grad Celsius über mehrere Wochen), die in der Haushaltstonne nicht erreicht werden.

Was ein Kunststoff-Code über die Verwertbarkeit aussagt

Der Kunststoff-Code ist ein Werkzeug zur Materialidentifikation, kein Verwertbarkeitsversprechen. Ob ein Material nach dem Einwurf in den Gelben Sack tatsächlich sortenrein sortiert und zu neuem Material verarbeitet wird, hängt von mehreren Faktoren ab:

  1. Sortiertechnik der Anlage: Moderne Anlagen arbeiten mit Nahinfrarot-Spektroskopie (NIR). Sie erkennen Kunststofftypen unabhängig vom aufgedruckten Code, weil die Spektren charakteristisch für das jeweilige Polymer sind. Der Code auf der Verpackung ist für diese Anlagen nicht nötig, für Verbraucher aber ein Hinweis auf das Material.
  2. Reinheit des Materialstroms: Gemischte Mehrschichtverbunde (zum Beispiel Joghurtbecher mit Deckel aus einem anderen Material) sind schwerer zu trennen als sortenreine Monomaterialien. Auch Reste von Lebensmitteln beeinflussen die Verwertbarkeit, weshalb leeres Ausschütteln der Behälter empfohlen wird.
  3. Marktlage für Rezyklate: Ob sortierten Kunststoffe ein Abnehmer findet, der sie zu neuem Rohmaterial verarbeitet, hängt von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Qualität des Rezyklats ab. Hochwertige Rezyklate aus PET und HDPE finden verhältnismäßig leicht Abnehmer; für manche Mischfraktionen ist der Markt kleiner.
  4. Lokale Infrastruktur: Was in einer deutschen Großstadt sortiert wird, kann sich von dem unterscheiden, was in einem ländlichen Landkreis oder in einem anderen EU-Land möglich ist. Einheitliche EU-Vorgaben zur Kennzeichnung sollen die Vergleichbarkeit ab 2028 verbessern.

Für den Alltag bedeutet das: Verpackungen aus Kunststoff gehören in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne, unabhängig vom Code. Code 6 (PS-Schaumstoff in großen Mengen, etwa Styropor-Blöcke) und Code 7 werden manchmal über separate Rückgabestellen erfasst; ob das in einer konkreten Gemeinde der Fall ist, gibt die zuständige Wertstoffbehörde Auskunft. Welche weiteren Symbole auf Verpackungen stehen und was sie bedeuten, erläutert der Artikel Was bedeuten die Recyclingsymbole auf Verpackungen.

Eigenschaften der häufigsten Kunststofftypen im Vergleich

Neben dem Code unterscheiden sich die Materialien in grundlegenden Eigenschaften, die ihre Verwendung bestimmen:

  • Transparenz: PET ist von Natur aus klar und wird deshalb für Sichtverpackungen eingesetzt; HDPE ist milchig-undurchsichtig, PP je nach Verarbeitungsverfahren klar oder trüb.
  • Flexibilität: LDPE ist das flexibelste der hier genannten Materialien und eignet sich deshalb für Folien und Beutel; HDPE und PP sind steifer.
  • Wärmebeständigkeit: PP verträgt höhere Temperaturen als PET oder LDPE, weshalb es für Mikrowellengeschirr und spülmaschinenfeste Behälter verwendet wird.
  • Barriereeigenschaften: PET sperrt Sauerstoff und CO2 gut ab, was es für kohlensäurehaltige Getränke geeignet macht; LDPE hat schlechtere Barriereeigenschaften, aber sehr gute Feuchtigkeitsabweisung.
  • Dichte: HDPE ist dichter als Wasser und sinkt im Wasserbad, PP schwimmt. Diesen Unterschied nutzen sogenannte Sink-Schwimm-Trenner in Sortieranlagen zur Materialtrennung, weil die Dichte je Kunststofftyp charakteristisch ist (laut ASTM D7611 liegt sie für PP unter 1,0 g/cm3, für HDPE darüber).

KI-generierte Illustration als Beitragsbild: Beispiele für Kunststoffarten und ihre Materialcodes. Die Codes kennzeichnen das Material; sie sind keine Zusage für die Verwertbarkeit. Der Materialcode bezeichnet den Kunststoff, nicht ob die Verpackung tatsächlich recycelt werden kann oder vor Ort recycelt wird.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Zahl im Dreieck auf Kunststoffverpackungen ist ein Materialcode nach ASTM D7611 — er benennt den Kunststofftyp, sagt aber nichts darüber aus, ob das Material tatsächlich verwertet wird.
  • Die Codes 1 bis 6 stehen für klar definierte Kunststoffe: PET, HDPE, PVC, LDPE, PP und PS. Code 7 ist eine Auffangkategorie für alle übrigen Materialien, darunter Polycarbonat, Nylon und Biopolymere wie PLA.
  • Besonders gut sortierbar sind PET (über das Pfandsystem) und HDPE. PVC wird in modernen Sortieranlagen per Infrarot gezielt erkannt und getrennt.
  • Ob ein Kunststoff nach dem Einwurf in den Gelben Sack verwertet wird, hängt von der Anlage, der Reinheit des Materialstroms und der Marktnachfrage für Rezyklate ab.
  • Für den Alltag gilt: Kunststoffverpackungen gehören in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne — unabhängig vom aufgedruckten Code.

Quellen

  • ASTM International: Standard D7611/D7611M, Kennzeichnung von Kunststoffprodukten mit Harzkennzeichnungscodes. astm.org
  • Verbraucherzentrale NRW: PET, PVC oder PP, das bedeuten die Recyclingsymbole auf Verpackungen. verbraucherzentrale.de
  • Umweltbundesamt: Fragen und Antworten zur Einwegkunststoffrichtlinie. umweltbundesamt.de
  • Bundesministerium für Umwelt: Verordnung über Beschaffenheit und Kennzeichnung von Einwegkunststoffprodukten. bundesumweltministerium.de
Du betrachtest gerade Was bedeuten die Kunststoff-Codes PET 1, PP 5, LDPE 4 und Co.?

Was bedeuten die Kunststoff-Codes PET 1, PP 5, LDPE 4 und Co.?

Wer eine Plastikflasche in der Hand hält und auf den Boden schaut, findet dort häufig eine Zahl in einem dreieckigen Symbol: PET, PP oder LDPE steht darunter, manchmal begleitet von einer Ziffer davor. Diese Ziffern gehören zum sogenannten Harzkennzeichnungssystem, und obwohl sie auf fast jeder Kunststoffverpackung stehen, wissen die meisten Menschen nicht, was sie bedeuten. Vor allem wissen sie nicht, was diese Codes gerade nicht bedeuten: eine Aussage darüber, ob das Material tatsächlich verwertet wird.

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Woher stammt das Harzkennzeichnungssystem?

Das Harzkennzeichnungssystem geht auf das Jahr 1988 zurück. Die Society of the Plastics Industry (SPI) in den USA führte damals ein einheitliches Zahlensystem ein, das Herstellern und Sortieranlagen helfen sollte, verschiedene Kunststofftypen auf Verpackungen zu identifizieren. Das System wurde 2008 von ASTM International übernommen, einer unabhängigen amerikanischen Normungsorganisation, die den Standard unter der Bezeichnung ASTM D7611 verwaltet.

Mehr Tipp zum Lesen:  Was bedeuten die Recyclingsymbole auf Verpackungen?

Die sieben Codes umfassen sechs klar definierte Kunststofftypen und eine Auffangkategorie für alles, was sich keiner der ersten sechs Gruppen zuordnen lässt. Das Symbol ist meistens ein Dreieck aus Pfeilen mit einer Zahl darin, manchmal auch nur eine Zahl mit dem Buchstabenkürzel des Kunststoffs darunter.

In Deutschland sind die Codes auf Verpackungen verbreitet, aber nicht flächendeckend vorgeschrieben. Das Verpackungsgesetz (VerpackG) von 2019 regelt vor allem die Systembeteiligung von Herstellern, schreibt aber keine vollständige Kunststoffkennzeichnung für jede Verpackungsart vor. Eine EU-weit harmonisierte Pflicht zur Materialkennzeichnung ist nach der Verpackungs- und Verpackungsabfall-Verordnung der EU frühestens ab 2028 vorgesehen.

Die sieben Codes im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt alle sieben Codes mit ihren Abkürzungen, den vollständigen Materialnamen und typischen Einsatzbereichen. Die Angaben zur Verwertbarkeit beziehen sich auf die technischen Voraussetzungen; welche Materialien in einem konkreten Haushalt über welche Tonne entsorgt werden, hängt von der örtlichen Infrastruktur ab.

Code Kürzel Materialname Typische Verwendung
1 PET Polyethylenterephthalat Getränkeflaschen, Lebensmittelschalen, Fasern
2 HDPE Polyethylen hoher Dichte Shampooflaschen, Milchkannen, Rohre
3 PVC Polyvinylchlorid Folien, Blisterpackungen, Rohre, Bodenbeläge
4 LDPE Polyethylen niedriger Dichte Tragetaschen, Frischhaltefolien, Quetschtuben
5 PP Polypropylen Joghurtbecher, Flaschenverschlüsse, Mikrowellengeschirr
6 PS Polystyrol Schaumstoffverpackungen (EPS), Einwegbesteck, CD-Hüllen
7 O / OTHER Alle übrigen Kunststoffe Polycarbonat, Nylon, Biopolymere wie PLA, Verbundmaterialien
Eigene Zusammenstellung auf Basis des ASTM-Standards D7611 und Angaben der Verbraucherzentrale NRW.

PET und HDPE: die beiden häufigsten Verpackungskunststoffe

PET (Polyethylenterephthalat) ist einer der am weitesten verbreiteten Kunststoffe im Verpackungsbereich. Die meisten Einweg-Getränkeflaschen in Deutschland bestehen aus PET. Das Material ist im Vergleich zu vielen anderen Kunststoffen gut sortierbar, weil es relativ schwer ist und sich im Sortierprozess gut von leichteren Kunststoffen trennen lässt. In Deutschland unterliegen PET-Einwegflaschen dem Pfandsystem, was einen eigenen Erfassungskanal mit hohen Rücklaufquoten schafft.

Mehr Tipp zum Lesen:  Was bedeuten die Recyclingsymbole auf Verpackungen?

HDPE (Polyethylen hoher Dichte) ist dichter und steifer als LDPE. Shampooflaschen, Milchkannen und viele Haushaltsreiniger-Behälter bestehen aus HDPE. Das Material lässt sich gut sortieren und zu Granulat verarbeiten, das für neue Behälter, Rohre oder andere Produkte eingesetzt werden kann.

PVC (Code 3): besondere Anforderungen bei der Sortierung

PVC (Polyvinylchlorid) ist ein weit verbreiteter Kunststoff, der allerdings bei der thermischen Verwertung problematisch ist: Bei hohen Temperaturen kann Chlorwasserstoff entstehen, der Anlagen schädigt und weitere Verfahrensschritte erfordert. Deshalb wird PVC in Sortieranlagen gezielt erkannt und von anderen Kunststoffen getrennt. Moderne Infrarot-Sortieranlagen können PVC im Materialstrom mit hoher Erkennungsrate identifizieren und von anderen Kunststoffen trennen, ohne dass der Code auf der Verpackung dafür gelesen werden muss.

PVC kommt in Blisterpackungen, Folien, Bodenbelägen, Rohren und vielen Bauprodukten vor. Im Verpackungsbereich ist sein Anteil in der EU in den letzten Jahren zurückgegangen, weil Hersteller auf andere Materialien ausgewichen sind. PVC ist in einer Reihe von EU-Produktkategorien weiterhin zugelassen, für bestimmte Lebensmittelkontaktmaterialien aber eingeschränkt.

LDPE und PP: Folien, Beutel und Verschlüsse

LDPE (Polyethylen niedriger Dichte) ist weicher und flexibler als HDPE. Tragetaschen, Frischhaltefolien, Gefrierbeutel und Quetschtuben bestehen häufig aus LDPE. Das Material ist leicht, was die Sortierung nach Gewicht erschwert. In Deutschland können LDPE-Folien über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne entsorgt werden; ob das Material in der Praxis sortenrein erfasst und verwertet wird, hängt von der Anlage und der Reinheit des Materiallstroms ab.

PP (Polypropylen) ist ein sehr vielseitiger Kunststoff mit hoher Wärmebeständigkeit, weshalb er häufig für Joghurtbecher, Butterverpackungen, Flaschenverschlüsse und Mikrowellengeschirr verwendet wird. PP lässt sich gut sortieren und verarbeiten. In Deutschland wurde PP lange Zeit schlechter erfasst als PET oder HDPE, weil es in vielen kleinteiligen Verpackungen vorkommt. Fortschritte in der Infrarot-Sortierung haben die Ausbeute verbessert. PP ist außerdem beständig gegenüber Fetten und Laugen, was es für Behälter von Reinigungsmitteln und Kosmetika geeignet macht, und ermöglicht bei dünnen Wandstärken eine gewisse Transluzenz.

Kurz zusammengefasst: Ein Kunststoff-Code auf einer Verpackung gibt an, aus welchem Polymer die Verpackung besteht. Er sagt nichts darüber aus, ob die Verpackung in einer konkreten Region gesammelt, sortiert und verwertet wird. Für die Entsorgungsentscheidung zuhause gilt: Gelber Sack oder Gelbe Tonne für Verpackungen aus Kunststoff, unabhängig vom Code.

Polystyrol und die Sammelkategorie: Schaumstoff und der Rest

PS (Polystyrol) umfasst zwei sehr unterschiedliche Erscheinungsformen. Kompaktes PS findet sich in CD-Hüllen, Einwegbechern und Joghurtdeckeln. Expandiertes Polystyrol (EPS), bekannt unter dem Markennamen Styropor, wird als Schaumstoff in der Bauisolierung und für Transportverpackungen verwendet. Beide Formen tragen den Code 6, haben aber sehr unterschiedliche Eigenschaften. Schaumstoff-PS ist durch sein geringes Gewicht bei großem Volumen schwer maschinell zu sortieren und wird in vielen deutschen Kreislaufsystemen nicht gesondert erfasst.

Mehr Tipp zum Lesen:  Was bedeuten die Recyclingsymbole auf Verpackungen?

Die Sammelkategorie umfasst alle Kunststoffe, die sich den ersten sechs Typen nicht zuordnen lassen: Polycarbonat (PC), Polyamid (Nylon), Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) und Verbundmaterialien. Auch Biopolymere wie PLA (Polymilchsäure) fallen darunter, obwohl sie aus pflanzlichen Rohstoffen stammen. Nach EN 13432 lassen sie sich in Industriekompostieranlagen bei rund 58 Grad Celsius abbauen, aber nicht in der Haushaltstonne. Für Verbraucher ist dieser siebte Code am wenigsten aussagekräftig: Ob ein Becher aus hochfestem Polycarbonat oder aus PLA besteht, das nach EN 13432 nur unter Industriebedingungen kompostierbar ist, lässt sich von außen nicht erkennen.

Mehr Tipp zum Lesen:  Was bedeuten die Recyclingsymbole auf Verpackungen?

PLA und andere Biopolymere sind ein Thema, das eng mit der Bioökonomie zusammenhängt: Sie werden aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt, erfordern aber für ihre Kompostierung oft industrielle Bedingungen (rund 58 Grad Celsius über mehrere Wochen), die in der Haushaltstonne nicht erreicht werden.

Was ein Kunststoff-Code über die Verwertbarkeit aussagt

Der Kunststoff-Code ist ein Werkzeug zur Materialidentifikation, kein Verwertbarkeitsversprechen. Ob ein Material nach dem Einwurf in den Gelben Sack tatsächlich sortenrein sortiert und zu neuem Material verarbeitet wird, hängt von mehreren Faktoren ab:

  1. Sortiertechnik der Anlage: Moderne Anlagen arbeiten mit Nahinfrarot-Spektroskopie (NIR). Sie erkennen Kunststofftypen unabhängig vom aufgedruckten Code, weil die Spektren charakteristisch für das jeweilige Polymer sind. Der Code auf der Verpackung ist für diese Anlagen nicht nötig, für Verbraucher aber ein Hinweis auf das Material.
  2. Reinheit des Materialstroms: Gemischte Mehrschichtverbunde (zum Beispiel Joghurtbecher mit Deckel aus einem anderen Material) sind schwerer zu trennen als sortenreine Monomaterialien. Auch Reste von Lebensmitteln beeinflussen die Verwertbarkeit, weshalb leeres Ausschütteln der Behälter empfohlen wird.
  3. Marktlage für Rezyklate: Ob sortierten Kunststoffe ein Abnehmer findet, der sie zu neuem Rohmaterial verarbeitet, hängt von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Qualität des Rezyklats ab. Hochwertige Rezyklate aus PET und HDPE finden verhältnismäßig leicht Abnehmer; für manche Mischfraktionen ist der Markt kleiner.
  4. Lokale Infrastruktur: Was in einer deutschen Großstadt sortiert wird, kann sich von dem unterscheiden, was in einem ländlichen Landkreis oder in einem anderen EU-Land möglich ist. Einheitliche EU-Vorgaben zur Kennzeichnung sollen die Vergleichbarkeit ab 2028 verbessern.

Für den Alltag bedeutet das: Verpackungen aus Kunststoff gehören in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne, unabhängig vom Code. Code 6 (PS-Schaumstoff in großen Mengen, etwa Styropor-Blöcke) und Code 7 werden manchmal über separate Rückgabestellen erfasst; ob das in einer konkreten Gemeinde der Fall ist, gibt die zuständige Wertstoffbehörde Auskunft. Welche weiteren Symbole auf Verpackungen stehen und was sie bedeuten, erläutert der Artikel Was bedeuten die Recyclingsymbole auf Verpackungen.

Mehr Tipp zum Lesen:  Was bedeuten die Recyclingsymbole auf Verpackungen?

Eigenschaften der häufigsten Kunststofftypen im Vergleich

Neben dem Code unterscheiden sich die Materialien in grundlegenden Eigenschaften, die ihre Verwendung bestimmen:

  • Transparenz: PET ist von Natur aus klar und wird deshalb für Sichtverpackungen eingesetzt; HDPE ist milchig-undurchsichtig, PP je nach Verarbeitungsverfahren klar oder trüb.
  • Flexibilität: LDPE ist das flexibelste der hier genannten Materialien und eignet sich deshalb für Folien und Beutel; HDPE und PP sind steifer.
  • Wärmebeständigkeit: PP verträgt höhere Temperaturen als PET oder LDPE, weshalb es für Mikrowellengeschirr und spülmaschinenfeste Behälter verwendet wird.
  • Barriereeigenschaften: PET sperrt Sauerstoff und CO2 gut ab, was es für kohlensäurehaltige Getränke geeignet macht; LDPE hat schlechtere Barriereeigenschaften, aber sehr gute Feuchtigkeitsabweisung.
  • Dichte: HDPE ist dichter als Wasser und sinkt im Wasserbad, PP schwimmt. Diesen Unterschied nutzen sogenannte Sink-Schwimm-Trenner in Sortieranlagen zur Materialtrennung, weil die Dichte je Kunststofftyp charakteristisch ist (laut ASTM D7611 liegt sie für PP unter 1,0 g/cm3, für HDPE darüber).

KI-generierte Illustration als Beitragsbild: Beispiele für Kunststoffarten und ihre Materialcodes. Die Codes kennzeichnen das Material; sie sind keine Zusage für die Verwertbarkeit. Der Materialcode bezeichnet den Kunststoff, nicht ob die Verpackung tatsächlich recycelt werden kann oder vor Ort recycelt wird.

Dieser Beitrag wurde mit redaktionellem Wissen und KI zur Unterstützung für fundierte Informationen rund um die Bioökonomie erstellt.

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